Burgunder im Land des Grünen Veltliners

Das Weingut Martinshof in St. Ulrich bei Neusiedl an der Zaya ist ein Familienweingut im Weinviertel, spezialisiert auf Burgundersorten. Winzer ist Michael Martin, der den Betrieb 1988 übernommen und seit 1990 Schritt für Schritt auf Burgunder umgestellt hat.

Ein Satz auf dem Traktor

Angefangen hat es mit dem Großvater. Er nahm den Buben mit in den Weingarten, und mit dreizehn setzte er ihn auf den Traktor, ließ ihn eine Runde im Hof fahren und sagte: „So, du wirst Weinbauer.“

Michael sagte okay. Mehr Zeremonie brauchte es nicht.

Mit achtzehn den Hof übernommen

1988 übernahm Michael den Hof von seinem Vater: sieben Hektar mit alten Reben. Er war achtzehn.

Die Wette auf Burgunder

1990 pflanzte Michael seinen ersten Blauburgunder, mit Reben vom Weingut Bründlmayer in Langenlois. Später kamen Chardonnay, Weißburgunder und Grauburgunder dazu. Schon der Urgroßvater hatte einmal Weißburgunder gesetzt, ihn aber wegen des geringen Ertrags wieder entfernt. Michael holte die Burgunder zurück.

Im Weinviertel galt damals: Guter Rotwein ist dunkel und dicht. Ein heller Blauburgunder? „Was willst du mit dem Wasser!? Das ist ja kein gscheiter Wein.“

Der Grund für Burgunder war kein Bauchgefühl, sondern der Boden. Mehr als die Hälfte der Weingärten steht auf Kalk, mit Fossilien aus dem Urmeer. Auf diesem Boden werden Burgunder kräftig im Geschmack und halten viele Jahre.

Der Faktor Zeit

Weinbau belohnt Geduld. Über zwanzig Jahre hat Michael Weingärten getauscht, gerodet und neu gepflanzt, bis die besten Lagen von St. Ulrich beisammen waren: Hausberg, Sonnberg und Galgenberg. Aus sieben Hektar wurden sechzehn.

2011 legte Michael noch einmal nach: Die Weine sollten noch stärker nach ihrem Weingarten schmecken. Dafür arbeitet er seitdem mit mehr Begrünung, lockeren Böden, mehr Leben zwischen den Reben und angepasster Düngung. Das braucht Jahre, und es hat sich gezeigt.

Dann kam das Klima dazu. Grüner Veltliner braucht es kühl, Burgunder warm, und das Weinviertel ist wärmer geworden. Die Wette von 1990 geht auf.

Wie die Weine schmecken sollen

Weniger Alkohol, mehr Duft, reifer im Geschmack: So sollen die Weine schmecken. Frucht ja, aber nie aufdringlich.

Der Stil orientiert sich bewusst nicht an Burgund. Michael baut seine Chardonnays im Stahltank aus, frisch und duftig statt schwer und buttrig. Nachmachen war nie der Plan.

Wer hier Wein trinkt

Die Weine vom Martinshof sind für Leute, die schon einiges probiert haben und etwas mit eigenem Charakter suchen. „Das ist kein Wein, den jeder versteht.“ Genau das ist der Reiz. Man muss kein Weinkenner sein, um ihn zu mögen. Sechs von zehn Onlinekunden kommen aus Deutschland, viele haben die Weine im Urlaub kennengelernt und werden zu Stammkunden.

Heute am Martinshof

  • 16 Hektar in St. Ulrich, Schwerpunkt Burgunder
  • Klassik- und Reservelinie, dazu Liter, Traubensaft, Kostpaket
  • Der Weingarten des Künstlers Hermann Nitsch, den Michael seit 2006 betreut, und der Nitsch-Doppler
  • Ein Keller, rund acht Meter tief in Lehm und Löss, konstant etwa 8 °C
  • Ein Raritätenkeller mit Weinen aus den 1980ern und frühen 1990ern, von denen jedes Jahr nur drei, vier Flaschen aufgemacht werden
  • Ein Heuriger beim Weingut, ein paar Wochen im Jahr

„Das Leben ist himmlisch.“

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